• Alex Milz

Steirische Streifzüge

Aktualisiert: 15. März

Dichte Wälder und Landschaften von hochalpin bis sanft hügelig, dazu feinste Küche und bester Wein. Die Steiermark ist ein erstklassiges Ziel für motorisierte Streifzüge mit Genussgarantie.



Das grüne Schild am Straßenrand ist von ein paar Ästen halb verdeckt. Doch der weiße feuerspeiende Panther in der Mitte des Wappens ist noch gut zu erkennen. Jetzt ist es amtlich. Wir sind in der Steiermark. Hier oben auf dem Pyhrnpass verläuft mitten durch die Kalkalpen die Regionalgrenze.


Wir sind unbeschwert unterwegs und das ist wörtlich gemeint. Mein Freund Dirk sammelt seine ersten Erfahrungen auf einer Brixton Crossfire (180 kg, 48 PS, 500 Kubik ) und ich drehe auf einer Royal Enfield Himalayan (185kg, 24 PS, 411 Kubik) meine ersten Runden. Beides Testmaschinen sind uns von der KSRGroup gestellt worden, die so klingende Namen wie Lambretta, Malaguti, Royal Enfield oder Benelli importieren. Die Brixton wiederum ist eine eigene Entwicklung und keine wiederbelebte englische Marke, wie manche meinen.



Vorbei am mittelalterlichen Admont mit der größten Bibliothek der Christenheit huschen wir über den geflickten Asphalt der B46 mitten hinein in den Nationalpark Gesäuse. Die Enns wird hier durch die hohen Berge in ein enges Tal gepresst. Verstärkt durch die schroffen Felswände herrscht hier in der Tat ein einziges Gesäuse. Seit wir heute morgen in Krems gestartet sind, machen wir eine spannende Erfahrung auf diesen beiden Leichtgewichten mit den entspannten Leistungswerten: Wir vermissen nichts! Das Fahrwerk der Himalayan bügelt die Unebenheiten entspannt weg und das 21-Zoll-Vorderrad schlägt sich in den Kurven erstaunlich gut. Der sonore Sound des Einzylinders trägt seinen Teil dazu bei. Auf dieser Maschine lernt man die Kunst des Dahingleitens kennen. Für notorisch Gestresste eine echte Therapie. Dirk dagegen hängt am Gas einer puristisch schönen Maschine mit Retrotouch und wedelt jede Kurve genussvoll aus. Dann zeigt er mir agile Seite der Brixton und er ist nicht mehr zu sehen.

Auf dieser Maschine lernt man die Kunst des Dahingleitens kennen. Für notorisch Gestresste eine echte Therapie.



Im kleinen Dorf Hieflau erblicken wir wieder den ganzen Himmel. Über uns haben sich mittlerweile fette Wolken versammelt. Hier in den nördlichen Kalkalpen regnen sie sich ab. Diese mächtige Bergkette wirkt wie eine Wolkenschranke. Dann folgt ein heftiger Schauer. Gut, dass Eisenerz nicht weit ist. Nach 15 km erreichen wir dieses alte Bergwerksdorf am Fuße des Erzbergs. Eigentlich haben wir hier eine graue unattraktive Arbeiterstadt erwartet. Doch weit gefehlt. Dieser Ort mit seinen Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert ist charmant österreichisch. Direkt neben dem alten Rathaus aus der Kaiserzeit gibt es dann auch das ersehnte gemütliche Café. Auch wenn die Hochöfen längst in Linz und anderswo lodern, am Erzberg wird heute noch im großen Stil übertage geschürft. 12 Millionen Tonnen Gestein sprengen sie hier pro Jahr aus dem Felsen. Was bleibt ist eine riesige stufenförmige Pyramide. Vereinzelte Monstertrucks schrauben sich den Berg hoch. Einsam wirkt der Berg heute. Dabei hätte diese Woche hier das Erzbergrodeo stattfinden sollen.





Doch das härteste Offroad-Spektakel der Welt ist vor kurzem Covid-19 zum Opfer gefallen. Zu normalen Zeiten holpern an die 500 Fahrer mit ihren Offroad-Maschinen die Geröllhänge hoch, als würden sie auf bockigen Bullen sitzen. Wer unbeschadet die Abbruchkante erreicht wird zur Legende. Mehr wie ein Dutzend Legenden werden es nie pro Jahr. Und wie schaut das dann erst bei Regen aus? Dann gibt es auf der gratschigen Piste eine einzige Schlammschlacht. Ach ja, der Regen setzt gerade wieder kräftig ein und begleitet uns bis auf 700m Höhe zu unserem ersten Hotel beim steirischen Dorfwirt in Trofaiach. Am nächsten Morgen hängt die Feuchte der Nacht noch in der Luft. Die Himalayan kommt heute schwer in die Gänge. Immer wieder geht sie aus. Liegt es an den 8 Grad, die das Thermometer anzeigt? Uns fällt ein Hebel an der linken Armatur mit einem Zeichen auf, dass wir ziemlich lange nicht mehr gesehen haben. Das müsste ein Chokehebel sein. Ich drücke den Schalter nach vorne, betätige den Starter und schon tuckert der Motor in vertrauter Weise. Die Überraschung ist geglückt. Das ist nicht nur Retro, das wird bei einstelligen Temperaturen wirklich gebraucht.


Vor uns ragt das Hochschwab Massiv wie der Rest eines übergroßen Amphitheaters auf. Nach weiteren 5 Kilometern endet an einem riesigen Parkplatz die wohl schönste Sackgasse der Steiermark.

Hinter Bruck an der Mur führt eine gut ausgebaute Straße nach Tragöß-Oberort. Die zwanzig Kilometer lange L111 ist zu beiden Seiten vom satten Grün der Weiden begrenzt. Vor uns ragt das Hochschwab Massiv wie der Rest eines übergroßen Amphitheaters auf. Nach weiteren 5 Kilometern endet an einem riesigen Parkplatz die wohl schönste Sackgasse der Steiermark. Von hier aus geht es zum Grünen See nur zu Fuß weiter. Nach einem Kilometer blicken wir vom Ufer aus in ein felsiges Urbecken. Entstanden in prähistorischer Zeit ist es zu dieser Jahreszeit mit smaragdgrünem Schmelzwasser gefüllt. Das Tageslicht strahlt durch das kristallklare Wasser auf den hellen Kalkstein an Grunde des Sees. Der ist wiederum mit den passenden Algenkolonien bevölkert, reflektiert zurück zur Oberfläche und das grüne Farbenspiel beginnt. Hätten wir jetzt Durst, wir könnten sogar direkt aus dem See trinken, so gut ist die Qualität des Wassers.



Der Himmel öffnet wieder mal seine Schleusen. Wir kennen das schon. Während das Windschild der Himalayan einen guten Job macht, hängt Dirk auf der Brixton nackt im Wind. Für die Regenkluft ist es jetzt eh zu spät. Wir sind zum Auswringen nass, als wir in Judenburg das Puch-Museum erreichen. Ein geschichtsträchtiger Trockenraum wartet auf uns. Wie Kai aus der Kiste taucht auf einmal hinter den Oldtimern ein junger Kerl mit ölverschmiertem T-Shirt und ausgewaschener Baseballkappe auf. Der Kai heißt Lorenz, ist gerade mal vierzehn Jahre jung und steckt mit einer riesengroßen Portion Herzblut in der Puchgeschichte. Vor fünf Jahren fing das alles mit einem Buch über die „legendäre 250“ an, sagt er. Je mehr wir wissen wollen, umso mehr leuchten uns seine aufgeweckten Augen an. Dann erzählt er uns von Zweitaktmotoren, Doppelkolben und außenliegenden Zündspulen. Auch wenn wir ausgemachte Techniklegastheniker sind, seine Begeisterung ist ansteckend,. Die detailreiche Führung endet vor dem „letzten Motorradl“ der Traditionsmarke aus Graz, einer roten M125 aus dem Jahre 1971. Zum Abschied rollt er für uns noch eine Puch 250 TS4 von 1937 aus der Ausstellung und drapiert sie für das Abschiedsfoto neben unsere beiden Maschinen.


Auch wenn wir ausgemachte Techniklegastheniker sind, seine Begeisterung ist ansteckend,. Die detailreiche Führung endet vor dem „letzten Motorradl“ der Traditionsmarke aus Graz.


Spät ist es geworden. Dirk erinnert mich daran, dass wir noch eine Übernachtung brauchen. Wir entscheiden uns für ein Zipferl Kärnten und buchen eine Übernachtung in Gräbern, dem kleinsten Dorf des Lavanttals. Die letzte Tagesetappe auf der Brixton gehört mir. Nach der aufrechten Fahrposition der Himalyan ist die leicht vornüber gebeugte Haltung etwas ungewohnt, aber durch den hohen und breiten Lenker nicht unangenehm. Der Fahrtwind drückt mich dann ein wenig nach hinten und ich sitze top bequem. Druckvoll schiebt mich der Halbliter-Reihen-Twin die B78 über den Obacher Sattel das Lavanttal entlang. Ab 2000 Umdrehungen gibt es nochmals einen Punch. Jetzt ist es Dirk, der auf der Strecke bleibt. Martin, der Wirt vom Deixelberger Hof in Gräbern schwärmt uns abends beim Bier von den Sonnenaufgängen in den Lavanttaler Alpen vor. „Unbedingt früh aufstehen und in Richtung Klippitztörl fahren“, empfiehlt er uns, denn dieser Pass wäre nur ein „Spuckerl“ entfernt. Keine Sorge meint er noch, unsere Maschinen würden den Schotterweg zur 1818 m hohen Hohenwart schon packen. Also gut, um halb sieben in der Früh treffe ich Dirk mit verschlafenen Augen an den Mopeds. Die Wolken haben noch die Oberhand, aber wir hoffen das Beste für den Sonnenaufgang. Kurze Zeit später biegen wir in Klippitztörl zur Schwarzkogelhütte ab und kraxeln mit den Motorrädern den immer steiniger werdenden Schotterweg in Richtung Hohenwart. Wie ich diese Himalayan mit ihrem geringen Gewicht liebe. Ohne Mühe bugsiere ich die 185 kg über das Geröll. Genau für solche Wege ist sie gebaut. Ich blicke zurück. Dirk holpert mit der Brixton tapfer hinterher. Auch wenn dieses Naked Bike für urbanes Terrain gebaut ist, es schlägt sich hier oben erstaunlich gut. Unser Weg führt durch eine versprengte Kuhherde mit fetten Fladen hoch zum Gipfelkreuz. Oben angekommen will sich die Sonne immer noch nicht blicken lassen. Doch dafür kommen die Kühe scharenweise. In kurzer Zeit sind wir umzingelt und werden von den brauen Viechern von allen Seiten beschnüffelt. Also kurz ein Gipfelfoto mit Kuh und dann nehmen wir Reißaus.

Unser Weg führt durch eine versprengte Kuhherde mit fetten Fladen hoch zum Gipfelkreuz.






An Wolfsberg vorbei geht es auf der L148 wieder durchs Lavanttal zurück zur steirischen Grenze. Dieser kleine Abstecher nach Kärnten findet sein Ende in dem kurvenreichen Vergnügen der Weinebene. Bei 1668 m ist die Passhöhe erreicht. Ein irreführender Name für diese 40 km lange Passstraße, doch kein Versehen. Ursprünglich hieß dieser Regionalübergang mal Weinheben. Dieser hochalpine Kurvenspaß ist ein alter Handelsweg. Hier oben wurden im Laufe der Jahrhunderte so einige Liter Wein umgehoben. Ein Gasstoß weiter und wir sind wieder im grünen Herzen Österreichs. An Bad Schwanberg vorbei biegen wir in Eibiswald auf die B69 in Richtung Soboth ein. Eine begehrte Motorradstrecke für alle, die gerne an der Nahtstelle zwischen Hügel und Bergen flott unterwegs sein wollen. Gut ausgebaut und mit langen Kurvenverläufen führt die Bundesstraße über das 1.349 m hohe Koglereck bis nach Kärnten. Auf 1000 Meter liegt der Stausee Soboth. Eine Fjordlandschaft inmitten dichter Wälder, die nur selten von goldgelben Flecken gemähter Weiden unterbrochen wird. Viel zu schade um einfach vorbeizuflitzen. Seit 30 Jahren versorgt der Wasserspeicher das Kraftwerk Koralpe mit dem nötigen Schwung. Würde mir jemand ein Foto zeigen und behaupten, das ist in Norwegen, ich würde es ihm glauben.




So langsam knurrt der Magen. Doch das See Café hat wegen Corona leider noch geschlossen. Dann also auf in die Gourmetecke der Region, - ins Schilcherland. Abends im Hotel Zur alten Post mitten in Bad Schwanberg tischt uns der Chef persönlich auf. Der Abend gehört ganz der steirischen Küche mit dem Besten aus eigener Herstellung. Rupert Mauthner ist Fleischermeister und Winzer mit Leib und Seele. Er ist sogar ein Chevalier du Goûte Boudin, ein echter Ritter der Blutwurst, wie er uns voller Stolz erzählt. Ein Wettbewerb in Frankreich, bei dem es so richtig um die Wurst geht. Rupert tischt weiter auf. Sein Fleisch und seine Würste sind reinster Genuss. Dazu kommt ein eiskalter Schilcher, ein rosefarbener Wein der aus dem Blauen Wildbacher, einer alte steirische Rebsorte gekeltert wird. Diese alte Rotweinrebe bedeckt den Großteil der Anbauflächen hier in der Weststeiermark. Ruperts Schilcher ist angenehm spritzig auf der Zunge und leicht säuerlich im Abgang.


Er ist sogar ein Chevalier du Goûte Boudin, ein echter Ritter der Blutwurst, wie er uns voller Stolz erzählt. Ein Wettbewerb in Frankreich, bei dem es so richtig um die Wurst geht.

Dann landet noch das zähflüssige tiefgrüne Kürbiskernöl über dem knackigen Salat und wir sind endgültig im steirischen Schlemmerhimmel. Jedes unserer mhm´s und oh´s merkt er sich gut. Am nächsten Morgen drückt er uns dann zwei Schlemmersackerl in die Hand, gefüllt mit ritterlicher Blutwurst und einer Flasche rosé-schimmernden Schilcher. Rupert, wir kommen wieder, versprochen! Zum Abschied überreicht er uns noch den Schlüssel zur Josefikirche, den er für den Pfarrer verwaltet. „Da müsst Ihr noch unbedingt einischaun“, sagt er und zeigt dabei auf die schlichte Dorfkirche über dem Ort. Mit dem Motorrädern holpern wir den steilen Feldweg bis zum Kirchenportal hinauf, öffnen die schwere Kirchentür und stehen in einer knallig bunten Freskenwelt. Unsere Augen wandern über einen bemalten Farbenrausch mit Szenen und Symbolen aus der Bibelgeschichte. Ein Werk des Künstlers Jakob Laub. Vier Jahrzehnte hat er für diese poppigen Fresken gebraucht. Damit hatte der Dorfpfarrer damals sicherlich nicht gerechnet, als er ihn 1955 beauftragte das Kircheninnern zu verschönern. Ohne Frage, die Josefikirche ist ein echter Geheimtipp. Das wirklich Schöne kommt eben oft auf leisen Sohlen daher.





Wir bleiben in ländlichen Gefilden und fahren an der slowenischen Grenze entlang durch die Südsteiermark, dem Land der tausend Weinhügel. Kurz vor Bad Radkersburg lenken wir unsere beiden Testmaschinen auf die B66. Diese Bundesstraße ist die Route 66 von Österreich. Hier beginnt ein 50 Kilometer langer Roadtrip durch den Garten Eden der Steiermark bis ins Ilztal. Links und rechts sausen wir an üppigen Weinbergen und Apfelplantagen vorbei. Die Schilder an der Straße preisen Käsereien und sogar Schokoladenmanufakturen an. Dazwischen immer wieder kleinere Wegpfeiler zu Hofläden. Doch auskosten können wir die vielen Einkehrmöglichkeiten leider nicht. Die Region erwacht gerade erst aus dem pandemischen Dornröschenschlaf. Rechtzeitig zur goldenen Stunde erreichen wir mitten im steirischen Vulkanland die Riegersburg. Die Burg selbst thront auf einem mächtigen Basaltfelsen über dem Ort. Der Trampelpfad zur Festung hoch ist bester Sport. Wer es bequemer mag, der nimmt den Felsenlift. Die Geschichte dieser Burg ist eine Geschichte über Frauenpower. Die Freifrau von Galler erbte nach dem Tode ihres Mannes diesen Besitz und baute das marode Gemäuer zu einer der stärksten Festungen der Christenheit aus. Die Truppen der Ungarn und der Türken haben sich buchstäblich hier die Zähne ausgebissen. Doch nach damaliger Rechtslage wäre sie als Frau nicht herrschaftsberechtigt gewesen und hätte über ihr Vermögen nicht verfügen dürfen. Doch sie kämpfte bissig und stur gegen jeden, der ihr vorschreiben wollte, wie sie zu leben und zu handeln hat. Klar, dass Sie als „oide Bissgurn“, als zänkische Alte verschrien war. Ungefährlich war das nicht, denn es war die Zeit der Hexenverfolgungen.


Gelebte Toleranz und Respekt sind das beste Mittel, Vorurteile im Keim zu ersticken, damit radikalen Stimmen von vornherein der Nährboden entzogen wird“.

Hinter den Burgmauern landen wir dann auch sogleich im dunklen Mittelalter. Die Landesausstellung über die Hexen und Zauberer lässt diese düstere Zeit mit Filmszenen auf den Wänden der alten Gemäuer lebendig werden. Wir lesen, dass die Hexenprozesse erst 1887 von Kaiser Joseph II abgeschafft wurden. Bis dahin war für alle klar, dass vernichtete Ernten, ausbleibender Kindersegen oder sonstige Katastrophen durch Hexen und ihren Pakt mit dem Teufel herbeigeführt wurden. Haben wir das richtig gelesen? Erst 1887 abgeschafft! Auf einer großen Tafel am Ende der Ausstellung steht dann: „Gelebte Toleranz und Respekt sind das beste Mittel, Vorurteile im Keim zu ersticken, damit radikalen Stimmen von vornherein der Nährboden entzogen wird“. Von wegen Mittelalter, das ist aktueller denn je.






Am Morgen holt uns dann das allseits gefürchtete „Reise-Zeit-Phänomen“ ein. Die Zeit fängt auf einmal an zu rasen. Uns bleibt nur noch eine Übernachtung. Jetzt heißt es Prioritäten setzen. Wir verzichten schweren Herzens auf einen Besuch in Graz. Die Hauptstadt der Steiermark mit ihren barocken Fassaden und mediterranem Flair ist einfach zu kostbar, um sie mal eben so mitzunehmen. Unsere Zeit reicht aber noch aus um wenigstens einen der 100 Zielpunkte des diesjährigen ALPENTOURER Pässemarathons mitzunehmen. Wir entscheiden uns für einen Abstecher zur Tauplitzalm im Salzkammergut. In Gleisdorf biegen wir auf die B64 ein, die ab Tulwitz zur legendären Rechberg-Rennpiste wird. Jedes Jahr im April zerreißen die heulenden Rennboliden beim größten Bergrennen von Österreich hier oben die Stille. Für die knapp fünf Kilometer bergan liegt der aktuelle Streckenrekord bei 1:52,916. Bei unserer gemütlichen Fahrweise schaffen wir es gerade mal in 4:30. Aber wir sind uns sicher, dass die flotte Brixton am Streckenrekord kratzen könnte. An Fronleiten vorbei und durchs Murtal geht es am Eisenerzer Alpenkamm über den Schoberpass zurück in die Phyrnregion.






Am späten Nachmittag stehen wir in Bad Mitterndorf vor der Schranke der mautpflichtigen Panoramastraße zur Tauplitzalm hoch. Zum Tagesabschluss gibt noch auf ein paar Kilometern acht herrliche Kehren bei einer Steigung von bis zu 9%. Für dieses Kurvenvergnügen muss ich Himalayan gut am Gas halten und viel schalten. Sie ist eben kein Beschleunigungswunder. Dafür bleibt ausreichend Zeit den Blick über eines der größten Seenhochplateaus Europas schweifen zu lassen. Selbst Dirk hat bei diesem Panorama auf der Brixton keine Eile. Oben angekommen stoppt uns eine Schranke. Ein kurzes Telefonat mit unserem Gastgeber und wir bekommen den Öffnungscode für die Weiterfahrt. Vorbei an gräulichen Schneefeldern schlängelt sich ein schmaler Weg zum Almgasthof Hierzegger. Vor der Tür begrüßt uns herzlich Herbert Hierzegger, ein Urgestein der österreichischen Motorradhoteliers. Bereits seit 1992 hat er die Türen seines Hotels für Motorradfahrer ganz weit offen. Bei einer zünftigen Brettljause und gutem Zirbenschnaps schüttelt er am Abend Reisegschichterln und beste Tourentipps mit den passenden Einkehrmöglichkeiten aus dem Ärmel seines Jankers. Ob zu Fuß oder mit dem Motorrad, hier erzählt jemand, der die Steiermark bis in den kleinsten Winkel hinein kennt. Nach diesem Abend sind wir uns einig: Die beste Tourenplanung beginnt hier.





Am frühen Morgen ist die Stille auf der Alm fast antastbar. Hier ist die Zeit noch träge. Nur der Regen sorgt für leichtes Rauschen. Die geplante Wanderung fällt also buchstäblich ins Wasser. Dafür führt uns Herbert mit seinem Jeep über die Alm, vorbei an den urigen Holzhütten und den ersten grünen Wiesenflecken. Erst vor zwei Wochen ist er hier mit der Schneefräse lang, erzählt er uns.

Am frühen Morgen ist die Stille auf der Alm fast antastbar. Hier ist die Zeit noch träge. Nur der Regen sorgt für leichtes Rauschen. Die geplante Wanderung fällt also buchstäblich ins Wasser.

Da lag der Schnee noch so hoch, dass er den Weg nur erahnen konnte. Das ist dann wie Glücksspiel, sagt er, denn manchmal liegt er neben der Spur und versenkt die Schneeraupe auch mal im Graben. Plötzlich stoppt er und zeigt auf ein Stück Almwiese: „Da schaut´s, da vorn blüht der erste Enzian“. Ein gutes Dutzend der tiefblauen Blüten zieren die Reste eines Schneefelds. Im Laufe des Sommers geht es dann schön bunt weiter. Dann lassen sich bis zu 270 unterschiedliche Gebirgsblumen hier blicken. Nach dieser exklusiven Almführung ist klar, an diesem Hochplateau hängt sein Herz. Gegen Mittag verabschieden wir uns von Herbert. Wir bedauern, dass unsere Zeit in der Steiermark so kurz war. Er zuckt daraufhin mit den Achseln und antwortet lapidar: „Na dann kommt´s halt bald wieder.




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